Die stolze Stadt Venedig schlug die Brücke für den Kultur- und Handelsaustausch zwischen dem mediterranen Orient und Europa. Mit einem unauslöschlichen Siegel prägte ihre Kunst und Kultur die Städte, die sie vom Gardasee bis zu den Gipfeln des Cadore wie ein Kranz umstehen.
Zwischen Venedig und Triest stösst man nach kurzen Abzweigungen auf den malerischen Hafen Caorle mit dem eigenartigen zylinderförmigen Kampanile der romanischen Kathedrale, auf Pottogruaro mit seinen schönen gotischen Palazzi und schliesslich auf Aquileja, dessen römische und mittelalterliche Überreste einen geheimen Zauber ausströmen: die mächtige Basilika mit dem prunkenden Mosaikboden, die Ruinen des römischen Forums, das reichhaltige Museum für Altertumskunde. Nicht weit davon senkt sich das Ufer von Grado ins Meer. Grado, der ehemalige Hafen von Aquileja, bietet
Sehenswürdigkeiten wie die Basilika Santa Maria delle Grazie mit dem hohen Kampanile, den Dom, das Baptisterium, die malerischen Fischerhäuser. Weiter des Wegs lässt man Schloss Miramare zur Rechten und erreicht Triest. Die Altstadt mit ihren krummen Gassen schart sich um den Hügel San Giusto, auf dem im 5. Jh. eine paläochristliche Basilika stand. Aneinander gereiht stehen das Römische Theater, das Schloss aus dem 16. Jh. mit einem sehenswerten Museum; die Ruinen der römischen Basilika; die Kathedrale San Giusto, die aus zwei vorromanischen Kirchen zusammengefügt wurde; das Städtische Museum, in dem an die zweihundert Zeichnungen von Tiepolo aufbewahrt werden. Unten am Hafen steht die Basilika Santa Maria Maggiore aus dem 17. Jahrhundert, daneben die anmutige romanische Kirche San Silvestro. 22 km weiter weg kann Görz (Gorizia) besichtigt werden; der Mauerring des Schlosses umschliesst das Lusthaus der Conti und die kleine gotische Kirche Santo Spirito.
Jenseits des Flusses Isonzo erwartet Cividale del Friuli den Besucher; es liegt am Fuss der Julischen Alpen. Stark ist auch heute noch die adriatische Kultur spürbar, die bis ins Hinterland vordrang und dort mit lombardischen Elementen verschmolz. Man sehe sich den kleinen LangobardenTempel an und seine prachtvollen Skulpturen.
Nach 16 km folgt Udine, der Hauptort Friauls, eine elegante Stadt mit unverkennbar venezianischem Einschlag. Das Schloss aus dem 16. Jh. wurde über der mittelalterlichen Burg erbaut und hat eine Pinakothek mit Werken von Tiepolo. Daneben steht die Langobardenkirche Santa Maria al Castello; nicht weit davon, auf der prachtvollen Piazza della Libertä, stösst man auf die Loggia San Giovanni und die Loggia del Lionello, die an den Dogenpalast in Venedig erinnert. Der romanische Dom besitzt Werke von Tiepolo. In Pordenone, 57 km von Udine, sehe man sich den Dom aus dem 15. Jh. und die schönen alten Häuser auf der Piazza San Marco an. Über Sacile, dessen Dom einige schöne Gemälde von Bassano bewahrt, gelangt man nach Vittorio Veneto. Hier mündet man in die alte Strada di Alemagna (Germaniens) ein. Sie steigt bis zu den Alpen empor und führt Richtung Belluno. Das Städtchen spielte eine Rolle in der Römerzeit und im Mittelalter und trägt, mitten in der Alpenwelt, den kraftvollen Stempel der venezianischen Kultur. An Sehenswürdigkeiten fehlt es auch hier nicht, angefangen von der malerischen Piazza del Mercato (Marktplatz) mit ihren schönen Renaissancebauten bis zum Dom und dem prachtvollen Palazzo dei Rettori Veneziani (Rektorenpalast). Über das PiaveTal erreicht man Pieve di Cadore, die engere Heimat Tizians, von dem das Geburtshaus und — in der Kirche — eine Madonna mit Heiligen erhalten ist. Schön ist der Palazzo della Comunitä Cadorina (das Haus der Gemeinschaft Cadore) mit einem Turm aus dem 16. Jh. Die Staatsstrasse 51 führt mitten durch die überwältigende Szenerie der Dolomiten nach
Cortina d’Ampezzo, dem berühmten Winterkurort. Er verfügt über zahlreiche sportliche Anlagen und ist Ausgangspunkt für reizvolle Ausflüge, so zum Beispiel an den Misurina-See, an den Lago Bianco (Weiss-See); nicht weit davon ragen die majestätischen Gipfel des Cristallo und der Tofane empor. Von Cortina nimmt die Dolomitenstrasse ihren Anfang. Steile Gipfel, Felsen und grüne Täler lösen einander ab, darunter auch das bekannte Grödnertal (Val Gardena), das nach Bozen führt. Bozen (Bolzano) hat einen schönen gotischen Dom, ein sehenswertes Museum für italienische und deutsche Kunst; berühmt sind auch das hiesige Handwerk und das Kunstgewerbe. 60 km weiter liegt Trient (Trento); die elegante Alpenstadt ist auf römischem Grundriss entstanden und hat mit feinem Geschmack die Elemente venezianischer, österreichischer und lombardischer Kunst zu vereinen verstanden. Via Belenzani ist eine ihrer schönsten Strassen; an ihr stehen das Rathaus aus dem 16. Jh. und die prachtvolle Casa Geremia (das Haus des Jeremias) mit einer heiteren, bemalten Fassade. Der romanische Dom gilt als das bedeutendste Bauwerk der Gegend. Prachtvoll ist auch das Castello del Buonconsiglio (das Schloss des Guten Rats), der ehemalige bischöfliche Feudalsitz. Mittelalter und Renaissance erzielen vereint überraschende Effekte: auf die Fresken aus dem Quattrocento, welche die Monate zum Gegenstand haben, folgen die schönen Renaissancefresken Romaninos. Sehenswert ist auch die Renaissancekirche Santa Maria Maggiore, in der das berühmte Tridentinische Konzil abgehalten wurde. Von Trient aus ist der Paganella-Gipfel bequem zu erreichen; man überblickt von hier aus den ganzen Kranz der Alpen. Über das Etschtal (Valle dell’Adige) gelangt man nach Rovereto (Schloss aus dem 15. Jh.) und erreicht Isera, eine der anmutigsten alten Ortschaften der Gegend, wo auch der berühmte Marzemino-Wein reift. Moris Häuser haben zum Teil üppige Barockfassaden. Jenseits von Bergen und Wäldern wartet Riva del Garda auf den Besucher; es liegt am äussersten nördlichen Zipfel des Gardasees, dem grössten italienischen See. Am westlichen Ufer liegen — umgeben von prachtvoller Landschaft, malerischen Stollen und Schluchten — die Orte Limone, Tremosine, Gargnano mit seiner schönen romanischen Kirche, Bogliaco mit der grossartigen Villa Bettoni, Toscolano Maderno und Gardone. Letzteres ist ein bekannter Kurort, auch wegen des Vittoriale, der ehemaligen Villa des Dichters Gabriele D’Annunzio, die heute als Museum zum Andenken an den Dichter eingerichtet ist. Von hier ist es nicht weit nach dem Städtchen Salò; es hat alte Bauten und Gassen und einen gotischlombardischen Dom mit einem Renaissance-Portal. Dann Desenzano, Sirmione, Peschiera, Verona und Vicenza. Von Vicenza führt die reizvolle Strasse der Monti Berici nach Montagnana, dessen Stadtmauern aus dem 13. Jh. zu den Meisterwerken mittelalterlicher italienischer Festungsbauten zählt. Der romanische Dom bewahrt unglaublich viele Kunstwerke, darunter die Verklärung von Veronese. Sechs Kilometer weiter wartet Este mit seinem Nationalmuseum auf, das hauptsächlich die Prähistorie Venetiens und die nachfolgenden Zeitperioden umfasst. Prunkvoll sind seine Villen und Paläste aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert. Der Dom besitzt ein Gemälde von Tiepolo: « Die Heilige Thekla befreit die Stadt von der Pest ». Kurz ist der Weg von Este nach Monselice mit dem schönen Dom aus dem 13. Jh. und dem berühmten Schloss, das Kunstwerke und Einrichtungsgegenstände aus der Renaissance und dem 17. Jh. zeigt. Padua und Rovigo liegen ebenfalls in der Nähe. Von Rovigo aus sind es 21 km nach Adria, der uralten griechischrömischen Stadt, die dem Adriatischen Meer seinen Namen verliehen hat und dessen Städtische Bibliothek und das Museum für Altertumskunde wertvolle Kunstwerke bewahren. Am Canal Bianco, dem Weissen Kanal entlang, über die verträumte Sumpflandschaft des Po-Deltas, erreicht man das alte L’Oreo, Mesola mit dem schönen Schloss Este, die Insel der Donzella. Nördlich von L’Oreo liegt das entzückende Chioggia, Stadt und Fischerhafen, dessen Meereslandschaft die Segel der Fischerboote bunte Lichter aufsetzen. Kirchen wie San Domenico, San Giacomo und die gotische Kirche San Martino, sowie elegante Zweckbauten, darunter der Ponte (Brücke) Vigo, erinnern uns daran, dass Venedig nicht weit ist.
