Von Venetien bis zur Region Emilia

Datum: Donnerstag Oktober 11, 2007
Posted in: Italien

Am Ufer des Flusses Brenta stehen die prachtvollen und berühmten venezianischen Villen. Nach ihrer Besichtigung schaltet man einen Halt ein in Padua und Rovigo. Die Reiseroute sieht auch den Besuch der wichtigsten Städte der Region Emilia vor und einen Zwischenhalt in den Städten, die zur Zeit der Renaissance eine grosse Rolle spielten.

Region Emilia

Am Ufer des Brenta-Kanals erbauten die vornehmen Venezianer ihre berühmten Sommervillen. Wer Venedig verlässt, schlage diese Reiseroute ein; die Kette dieser stimmungsvollen Bauten reicht bis nach Padua. Alle können allerdings nicht einzeln aufgezählt werden. Es seien Villa Fòscari erwähnt — die « Malcontenta » (Missvergnügte) genannt und an der Strasse nach Fusina gelegen — und die Villa Pisani in Strà, die eine prachtvolle Parkanlage, ein Labyrinth und reichausgestattete Innenräume besitzt und in der mancher Fürst gewohnt hat.
In Padua beginne man den Stadtrundgang bei Santa Sofia, der ältesten Kirche der Stadt, und begebe sich danach zur Kapelle der Scrovegni; dieses Juwel der Baukunst ist mit 38 Fresken von Giotto geschmückt. Gleich daneben steht die Kirche der Eremitani, deren Fresken von Andrea Mantegna leider zum grossen Teil einem Bombardement zum Opfer gefallen sind. Im Stadtkern steht das charakteristische Caffe Pedrocchi. Daneben drei malerische Plätze: die Piazza della Frutta (Obstmarkt), die Piazza delle Erbe (Gemüsemarkt) und die Piazza dei Signori. Zwischen den ersten zwei Plätzen steht der harmonische Palazzo della Ragione (Gerichtsgebäude). Hinter dem Domplatz — die rohe Fassade des Doms ist unvollendet geblieben — führt die Via Vescovado zur Casa degli Specchi (Haus der Spiegel), einem der schönsten Profanbauten Paduas, zum alten Universitätsgebäude mit dem schönen Innenhof (16. Jh.), zur Basilika Sant’Antonio; ihre Sammlung an Kunstschätzen ist unvergleichlich: der Hochaltar stammt von Donatello, ebenso die Reiterstatue des Gattamelata, die der Basilika gegenüber steht. Das in der Nähe gelegene Städtische Museum hat eine reiche Pinakothek mit Werken von Giotto, Bellini, Giorgione, Tizian, Veronese.
Ganz in der Nähe von Padua liegt Rovigo; auf dem typisch venezianischen Platz Vittorio Emanuele II stehen der Palazzo Roncale und die neoklassische Accademia dei Concorsi mit einer gutbestückten Pinakothek. Nach einer Fahrt von 36 km gelangt man an den Po, und gleich danach erreicht man Ferrara, eine der schönsten Städte Italiens undRovigo: die Rotunde ehemalige Residenz der Fürsten Este. Prachtvolle Bauten schmücken die Stadt: der Diamantenpalast, das Meisterwerk Biagio Rossettis (1492), der eine Pinakothek mit Gemälden der ferraresischen und venezianischen Schule enthält; Schloss Este, ein besonders schöner militärischer Festungsbau aus dem Mittelalter, der in der Renaissance zum Fürstensitz umgewandelt wurde; Haus Romei aus dem Quattrocento; die prächtige Renaissancekirche San Francesco; das bezaubernde Lusthaus Marfisas von Este; Palazzo Schifanoia (der Palast, der die Langeweile vertreibt); berühmt sind seine Fresken, welche die Monate darstellen. Sie gehören zu den schönsten Renaissancemalereien und lassen leicht erraten, wie fröhlich und prunkvoll das Leben am Hofe Borso d’Estes sein musste. Der Palazzo di Ludovico il Moro stammt ebenfalls von Rossetti und ist Sitz eines ansehnlichen Museums für Altertumskunde. Die charakteristischen Strassen der Altstadt führen auf den Marktplatz, an dessen einer Seite die romanische Kathedrale steht; der Architekt Wiligelm und der Bildhauer Nicolö schufen sie (1135).

Über die Autobahn führt die nächste Etappe nach Bologna. Der Rundgang beginnt bei Piazza Maggiore. Hier steht die Kirche San Petronio, deren Fassade unvollendet geblieben ist. Jacopo della Quercia schuf die Kacheln rings um das Hauptportal. Daneben: Palazzo dei Notai (der Palast der Notare) aus dem 14. Jh. und das mit Türmen gezierte Rathaus; davor der Palazzo del Podestà und gleich dahinter der Palast König Enzos, wo der Sohn des Hohenstaufen Friedrich II. seine Tage im Kerker beschloss. Zwischen diesen beiden Palästen steht der prunkvolle Neptunbrunnen von Giambologna (1566). Über Via Rizzoli gelangt man zu den beiden berühmten schiefen Türmen, den wichtigsten Türmen Bolognas aus dem Mittelalter: die 98 m hohe Torre degli Asinelli und der 46 m hohe Garisenda-Turm. Weiter vorn, über Via Zamboni, gelangt man zum Universitätsgebäude und von da aus zur Pinakothek, die ausser einer umfassenden Sammlung von Bologneser und Emilianer Werken aus dem 14. Jahrhundert auch Gemälde von Giotto, Raffael und Tintoretto bewahrt. In Via Marsala stehen die uralten Häuser mit den eigenartigen Säulengängen aus Holz. Einen Besuch lohnen die Kirche «Dei Servi » mit einer Madonna von Cimabue und die Gruppe der sogenannten « Sette Chiese », deren sieben Kirchen (daher der Name) aus den verschiedensten Zeitperioden stammen, ferner die Kirche San Domenico. Im Innern steht die berühmte Arca, das Grab des heiligen Dominikus, an dem Künstler aus drei Jahrhunderten mitwirkten, von Pisano bis Michelangelo. Profanbauten: Palazzo Bevilacqua, der schönste Bologneser Renaissancebau, der prachtvolle Innenhof des Archigymnasiums (die alte, berühmte Universität Bolognas, die älteste Europas), das Städtische Museum, eine bedeutende Sammlung griechischer, römischer, etruskischer, ägyptischer und mittelalterlicher Kunst. Empfehlenswert ist ein Abstecher zu der Basilika San Luca, die auf dem hohen Hügel steht, der Bologna beherrscht. Man überblickt von hier aus die ganze Stadt und die umliegende Ebene; in der Ferne sieht man sogar die ersten Berghöhen des Apennins. Modena, das 36 km von Bologna entfernt an der Via Emilia liegt, hat für den Besucher den mittelalterlichen Dom, der mit der Kathedrale San Zeno in Verona und dem Baptisterium von Parma den Höhepunkt der italienischen romanischen Architektur bildet. Der hohe Turm der Ghirlandina und der herzogliche Palast, in dem heute die Militärakademie ihren Sitz hat, sind ebenfalls bedeutende Bauten. Der Palazzo dei Musei bewahrt die kostbare estensiche Bibliothek mit der Bibel von Borso d’Este, einem der kostbarsten italienischen Miniaturenkodexe.

Nach weiteren 25 km gelangt man nach Reggio Emilia. Seine städtische Anlage ist typisches Mittelalter; es hat aber auch schöne Renaissance- und Barockbauten, darunter den Dom, das Baptisterium und zahlreiche Paläste. Von Parma aus kann man bequem eine Gruppe hervorragender Zeugen der Vergangenheit erreichen: Burg Fontanellato aus dem 17. Jh. (heitere Fresken von Parmigianino), Schloss Soragna, das Geburtshaus Giuseppe Verdis in Róncole, die mittelalterliche Burg von Busseto. Man verlässt Parma über die Strasse, die nach Casalmaggiore führt und kommt an der prunkvollen Sommerresidenz von Colorno vorbei, erreicht Sabbioneta, das « kleine Athen Paduas », in dem der Fürst und Heerführer Herzog Vespasiano Gonzaga seinem Traum von Humanistik und Poesie Gestalt verlieh. Man bewundert eine ganze Reihe klassischer Bauten, darunter die Galleria degli Antichi, die Kirche « Dell’Incoronata » (der gekrönten Jungfrau), den Herzogspalast, das Teatro degli Antichi. Mantua ist ganz in der Nähe. Kehrt man hingegen nach Casalmaggiore zurück, erreicht man Via Giuseppina (aus der Zeit Napoleons), die über eine ebene Strecke von 30 km nach Cremona führt. Mittelalter und Renaissance haben dessen Aussehen zu gleichen Teilen geprägt. Der HauptplatzCremona: der DOm gehört zu den malerischsten mittelalterlichen Szenerien Italiens. Auf ihm ragt der Glockenturm empor, den die Bürger Cremonas Torrazzo nennen, steht der Säulengang Bertazzola aus dem 16. Jahrhundert, der zum romanischen Dom führt, in dem zahlreiche romanische, gotische und Renaissance-Kunstwerke zu sehen sind. Weiter das Baptisterium, die Loggia dei Militi, einer der schönsten Profanbauten der Lombardei, die schöne Kirche San Michele und die gotische Kirche Sant’Agostino. Besonders zahlreich sind die Kirchen- und Profanbauten aus dem Cinquecento, darunter San Pietro al Po und die Paläste Fodri, Repellini, Raimondi. Palazzo Affaitati enthält eine wertvolle Pinakothek mit Werken der lombardischen, venezianischen, emilianischen und flämischen Schulen. In der unmittelbaren Umgebung von Cremona steht die prachtvolle Renaissancekirche San Sigismondo.

Weitere mittelalterliche Städte sind Crema. Die Strasse von Cremona bis hierher ist 39 km lang und führt vorbei an Grumello, Farfengo, Soresina, Castelleone, alles Städtchen mit ansehnlichen Denkmälern und Kunstschätzen. Wie in vielen anderen Städten, bildet auch in Crema der Domplatz den bau lichen Mittelpunkt. Sein venezianisches Gepräge, eine Seltenheit für die Lombardei, erinnert daran, dass Crema lange Zeit unter der Herrschaft der Serenissima, der Seerepublik Venedig, stand. Das elegante Rathaus aus dem 16. Jh. wird beherrscht vom Torrazzo (Turm). Daneben stehen Palazzo Pretorio, der Bischofspalast und der gotische Dom. Besuchenswert sind das Städtische Museum und die im ehemaligen Kloster Sant’Agostino untergebrachte Pinakothek. Die imposante Struktur der Kirche Santa Maria della Croce verrät den Einfluss Bramantes. Das benachbarte Lodi hat einen schönen romanischen Dom und Renaissancebauten, das Hauptspital eine Barockfassade. Von Lodi nach Mailand ist es nur ein Sprung.



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